Falsche Argumente für eine falsche Reform

Pro & Contra Einführung

Pro & Contra Umkehr Umkehr

Folgende Aussagen konnte man in der Auseinandersetzung um die "Rechtschreibreform" immer wieder hören und lesen; sie lassen sich in zwei Klassen einteilen: einerseits gesellschaftspolitische und andererseits sachliche (sprachwissenschaftliche) Thesen, die jeweils anschließend zurechtgerückt werden:

1. Ob die Rechtschreibung geändert wird oder nicht, interessiert mich schlicht nicht ...

2. Es gibt viel wichtigere Probleme, also finde ich mich mit dem Mißstand, gemeint ist die Reform, ab.

Wichtigere Aufgaben gibt es immer. Das ist aber kein Grund, unwichtigere wie die Schlechtschreibung unter den Teppich zu kehren.

Außerdem hat der Eingriff des Staates ganz grundsätzliche Bedeutung:

3. Die Reform ist gesetzlich vorgeschrieben, also muß man sich danach richten – die Gerichte haben die Rechtmäßigkeit der Reform bestätigt.

4. Die neue Rechtschreibung ist modern, fortschrittlich, wir sollten nicht hinterherhinken.

5. Die neue Rechtschreibung hebt künstliche Klassenunterschiede auf.

6. Die Kritiker haben jahrelang geschlafen und schreien erst, wenn es schon zu spät ist.

7. Die Reform wurde von Fachleuten bzw. Linguisten erarbeitet, ist also wohl richtig.

8. Schrift ist nur "äußerlich", die Sprache selber ist also von der Reform nicht betroffen.

9. Die neue Schreibung ist besser / besser erlernbar, also übernehme ich sie.

10. Jede und jeder kann jetzt endlich schreiben, wie er/sie will ...

11. Die Schrift muß einheitlich sein, also sollten sich alle anpassen.

Das klingt immer gut, also "mußte" die Reform an Schulen durchgesetzt werden, damit unsere Kinder das lernen, was im offiziellen Schrifttum wie in der Presselandschaft bald üblich sein würde.

12. Die getätigten Investitionen in die Neuschreibung dürfen nicht gefährdet werden.

13. Die Rückkehr zur alten Rechtschreibung würde vollends für Verwirrung sorgen. Unsere Kinder, die inzwischen seit fünf Jahren die neue Rechtschreibung erlernen, würden uns für verrückt erklären.

14. Argument der Kultusministerkonferenz: "Sprache verändert sich".

15. Von den Applaudiervereinen begrüßte Anmaßung der Regierung:  "Die neue Rechtschreibung wird am 1. August 2005 verbindlich".

16. Da die erforderliche hundertprozentige Zustimmung zur Rechtschreibreform nicht zu erwarten ist, schlagen auf Versöhnung bedachte Politiker einen Kompromiß vor.

17. Erste Radiomeldung anläßlich der Konferenz der Ministerpräsidenten am 8. Oktober 2004: Der regierende SPD-Bürgermeister von Berlin teilt mit, daß die dort tagenden Ministerpräsidenten beschlossen haben, die neue Rechtschreibung am 1. August 2005 "verbindlich" zu machen. Allerdings werden die offenkundigen Fehler vorher behoben.

18. Zweite Meldung des staatlichen Rundfunks anläßlich der Konferenz der Ministerpräsidenten am 8. Oktober 2004: Die Ministerpräsidenten haben beschlossen, daß die neue Rechtschreibung zum 1. August 2005 "in Kraft tritt".

19. Dritte Radiomeldung anläßlich der Konferenz der Ministerpräsidenten am 8. Oktober 2004: Die Ministerpräsidenten haben beschlossen, daß "die neue Rechtschreibung zum 1. August 2005 bei Schulen und Behörden verbindlich wird."

Nach einigen Jahren des orthographischen Chaos sprechen die genannten Argumente für die Beibehaltung der konventionellen Rechtschreibung überwiegend auch für eine Umkehr.


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